Gedichte 2016



Poesie-Café


Kastanie

Wilde Kastanie

Nicht essbar, doch voll braunem Knallen
wenn sie die Magd ins Feuer drückt,
die liebste Beere wohl von allen,
nach der das Kind im Herbst sich bückt:
Sie hängt in rauer Stachelschale
und unterm breiten Blätterstern,
zu gross für eine Amselkralle
und für die kleine Hand zu fern.

Doch wenn der Sturm der roten Blätter
bis in die alten Wipfel stösst,
im raschelnden Oktoberwetter
die Spinne aus dem Netz sich löst,
dann springen braun Kastanienbälle
von allen Ästen zur Allee,
sie rollen, von des Windes Kelle
getrieben hin auf der Chaussee.

Peter Huchel  (1903-1981)

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