Gedichte 2017



Poesie-Café


 Quelle Foto Edith Meyer

Bücke Dich und streichle,
ohne es zu knicken,
das zarte Moos am Boden
oder ein kleines Tier,
ohne dass es zuckt
vor Deiner Hand.
Lege sie schützend
auf den Kopf eines Kinds,
lasse sie küssen
von dem zärtlichen Mund
der Geliebten,
oder halte sie
wie unter einen Kranen
unter das fliessende Gold
der Nachmittagssonne,
damit sie transparent wird
und gänzlich untauglich
zu jedem Handgriff
beim Bau
von Stacheldrahthöllen.

Ausschnitt aus dem Gedicht
„Wen es trifft“  (1953)
von Hilde Domin (1909-2006)
im Gedichtband „Nur eine Rose als Stütze“
Fischertaschenbuch1290


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