Gedichte 2019



Poesie-Café


Zerzeuste Lerche Foto Edith Meyer

Wer hockt hinterm Berge,
verhutzelt und grau?
Die alte Hexe,
die Nebelfrau.

Sie schöpft aus der Pfütze,
kocht graudicke Grütze.
Mischt Wasser mit Luft,
mengt Sonne mit Tau.
Das gibt eine Suppe!
Das gibt ein Gebrau!

Ein Löffel Warm,
zwei Handvoll Kalt -
schon brodelt‘s am Berge.
Schon dampft es im Wald.

Eine Prise Wind,
halb kalt, halb lau. -
Hihi, so schmeckt es
der Nebelfrau.

Die Grütze blubbert,
steigt über den Rand.
Hu, was für ein Nebel!
Verschwunden das Land.

Hanna Hanisch   (1920-1992)






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